Beckenbodenblues

(Auszug)

»Spielen Sie Ihrem Baby Musik vor«, rät mein Babybuch. Ja, schöne Idee, finde ich. Musik ist toll. Sogleich erfahre ich: »Babys lieben Mozart«. Ach. Das habe ich schon mal wo gehört. Also wenn die Beschallung im Mutterleib schon losgehen soll, dann bitte mit Mozart. Mozart ist schön. Ja. Ich liebe Mozart. Aber das war nicht immer so, und es soll auch Menschen geben, die nicht sämtliche Instrumentalwerke und die Da Ponte Opern im Regal stehen haben. Was mein Baby wohl lieber hat, »Cosí fan tutte« oder das Oboenkonzert? Oder ist es ihm egal, Hauptsache Mozart? Beethoven ist vielleicht etwas schwerfällig und Rossini zu geschwätzig. Rap oder Heavy Metal könnten doch wer weiß was für nachhaltige Schäden hinterlassen, dafür muss man psychisch schon eine recht stabile Persönlichkeit sein, das sehe ich ein.
Nein, Mozart ist gut, keine Frage.
Aber fair wäre es schon, dass man auch darüber nachdenkt, was der werdenden Mutter so gefällt, schließlich muss sie ja schon ganz schön laut aufdrehen, damit da irgendwas an Schall durch die Bauchdecke dringt und überhaupt wahrgenommen werden kann. Und das hat doch Auswirkungen auf die Stimmung der Schwangeren, was ja angeblich sowieso mitunter ein heikles Thema ist.
Jedenfalls würde ich gerne noch eine Alternative zu Mozart vorschlagen, denn neun Monate Mozart sind fast noch schlimmer als neun Jahre Kinderlieder, wobei man auch fragen könnte: Was ist mit dir passiert, Kind, im Bauch hast du Mozart gehört und jetzt La Le Lu?
Ich würde vorschlagen, neben Fitness- und Ernährungsprogrammen für Schwangere, eine präzise abgestimmte musikalische Linie zu entwickeln, über deren Nutzen kein Zweifel aufkommen kann, ich bin sicher, sie wäre ein schlagender Erfolg.
Fixer Bestandteil müsste unbedingt der sogenannte »Beckenbodenblues« sein (ich hoffe, der Terminus findet bald Einzug in die gängige musikwissenschaftliche Sekundärliteratur). Man stelle sich dazu breitbeinig auf, verlagere das Gewicht auf ein Bein (Standbein) und wippe kräftig mit dem Fuß des anderen (Spielbein) im Rhythmus. Nach vier Takten (also vier mal vier zählen) wechsle man Standbein und Spielbein. Dabei spanne man den Beckenboden bei jeder Gewichtsverlagerung etwas an, sodass bei gleichzeitigem Musikgenuss eine Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur erreicht wird.
Weitere unverzichtbare Nummern wären die »Sinfonie der Spätgebärenden« oder aber auch der »Brechreizbossanova«, die »Ouvertüre für unerwünschte Schwangerschaften«, der »Folsäurefado«, der »Chorionzottenchoral«, das »Kaiserschnittkonzert«, der »Trimestertango«, die »Muttermilchmazurka« oder der »Hausgeburtenhiphop«, und für die etwas Altmodischen gäbe es noch den »Rückbildungsrock’n’roll«.
Man sieht schon, der Fundus ist groß, also der musikalische Fundus natürlich…
Ich möchte nicht zu weit vorgreifen, wir wissen ja, dass Ideen, die ihrer Zeit weit voraus sind, gerne als Utopien abgetan werden, aber später einmal könnte man vielleicht auch über Werke größeren Ausmaßes nachdenken, so etwa über eine Operette im Wiener Stil mit dem Titel »Oma, Opa und der Babybrei«, oder auch über eine große romantische Oper im Geist Richard Wagners, »Die fliegende Hebamme«. Auch am Genre Filmmusik wird man über kurz oder lang nicht vorbei kommen, denkt man an Titel wie »Wer hat Angst vor dem Vaterschaftstest«, »Neulich in der Listeria Lane« oder…
Nun ja. Bleiben wir vorerst dabei.

Das Wesentliche habt Ihr hier schon erfahren. Den kompletten Text findet Ihr in meinem eBook.

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